Das Bitburger Land in der Römerzeit

Übersetzung des BItburger VHS Kurses 1. Halbjahr 2026 

Römerherrschaft im Bitburger Lande

Die Römerherrschaft im Lande

Als die Kelten den mächtigeren und kriegsgeschulten Römern unter Julius Cäsar erlagen, dehnte sich deren Herrschaft immer weiter nach Norden und Osten aus. Um die Zeitwende eroberten die Römer das Gebiet der Treverer und drangen bis an den Rhein vor. Die Herrschaft der Kriegsstarken und kulturell vorgeschrittenen Römern gab dem Lande ein neues Gepräge. Zwar siedelten sich eigentlich Römer nur in ganz geringer Zahl an in ihren eroberten nördlichen Ländern, aber die Römer verstanden es, geschickt zu romanisieren, indem sie den einheimischen Kult mit ihren römischen verschmolzen und den Leuten römische Kultur als gute Gabe übermittelten. Besonders im 2. und 3. Jahrhundert siedelten sie entlassene römische Legionäre in den eroberten Gebieten an, unterhielten starke Garnisonen, bauten Kastelle und Heerstraßen, zogen romanisierte Händler herbei und brachten die römische Bauart mit Steinhäusern in das Land, in welchem sie so festen Fuß fassten. Nur die wenigsten Römervillen gehörten eigentlichen Römern, die meisten den romanisierten einheimischen Baronen. Die etwa 4 ½ Hundertjahre der Römerherrschaft hinterließ viele lateinische Orts- und Flurnamen. Unser Bedgau, die Eifel und der Hunsrück gehörten damals zu dem großen „Ardennengau“ der Römer. Die Landschaftsgöttin war „Arduinna“, und der römische Waldgott Sylvanos wurde on den Einheimischen als Sucaelus angerufen, dessen heiliges Tier das Wildschwein war.

Der keltisch-römische Götterkult hatte mit dem germanischen Götterdienst manches gemeinsam. Der germanische Götterdienst war ein Sonnenkult, daher die Göttergestalten der wandelnden Natur der Jahreszeiten des Wachstums und Vergehens, die Licht- und Segenspender und die Gestalten der Unholden, der Zerstörer und der Finsternis. Im Lande der Treverer war ein weit verbreiteter Götterdienst jener drei fl. Matronen, das heißt die Nornen, Parzen, Schicksalsgöttinnen, die später die christliche Legende in Heilige des neuen Glaubens umschuf. Von den Matronen ist in Auw eine Darstellung aus neuer Zeit vorhanden. Von diesen drei tugendhaften christlichen Jungfrauen erzählt die Legende, dass sie auf der Flucht vor einem feindlichen Wüstling durch einen kühnen Sprung von einem Felsen über die Kyll sich vor ihrem Verfolger retteten.

Dass die Römer nicht Göttern allein sondern auch den Kaisern göttliche Ehren erwiesen, wird bekundet durch die Theaterinschrift vom Jahre 198, worin das Kaiserhaus als göttlich bezeichnet wird, ferner durch eine auf der Flur Burbet (Nördlich vor der Stadt) 1890 gefundene Inschrift, worin die Jungmannen zu Ehren des göttlichen Kaisers einen Farator erbauten, ferner durch das 1924 beim Umbau der Kirche gefundene Standbild des Schmiedegottes Vulkan, auf dessen Sockel eine Widmung zu Ehren des göttlichen Kaiserhauses steht. Dies erklärt mit das häufige Vorkommen von Tempeln an den Heerstraßen und bei den Heerlagern. So besagt eine Inschrift, die bei Meilbrück gefunden wurde, daß dort an der Ostseite der alten Römerstraße sich ein Tempel befunden hat, wo 1875 ein Steinbild des Juppiter und eine Weihinschrift zu Ehren des Gottes Merkur gefunden wurde. Nördlich der Stadt auf Burbet hat wohl in der Nähe der Fundstelle, des Faratorsteines ein kleiner römischer Tempel gestanden, da man hier 1878 ein Steinbild des römischen Juppiters ausgrub. Auch nahe bei Villa Odrang hatte der reiche Besitzer einen Tempel errichtet.

Welchen Wert die Römer ihren Heeresstraßen beilegten, das beweist die gute Anlage und Instandhaltung, die Anbringung großer Meilensteine (die Wegmesser und Wegweiser waren) und die Sicherung durch Kastelle und Siedelungen an den Straßen oder in deren Nähe. Die großen Meilensteine geben die Entfernung von Trier und Köln an. Sie trugen seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. auch Ehreninschriften für römische Kaiser, so die zwei Meilensteine die im Nattenheimer Wald gefunden wurden.

Übersetzung Material zur 3. Sitzung, Thema „Römerherrschaft im Lande“

Der eine trägt den Namen Hadrians und das Jahr 121, der andere den Namen Antonius Pius und das Jahr 139 (n. Chr.). Im Jahre 1876 wurde an der Römerstraße ein wichtiger Fund gemacht, nämlich ein Grenzstein, dessen Aufschrift: „Hic finis pagi Carucum“, das heißt „hier ist die Grenze des Gaues der Caruca“, bezeugt, daß hier der Bedgau nördlich an den Carosgau angrenzt.

Auch Zweigstraßen und Brücken führten von der Hauptheeresstraße nach Osten und nach Westen über Kyll, Nims und Sauer. Zahlreiche Siedelungen und Spuren, Reste, Gräber, Villen und Tempelstätten bedecken das Bitburger Land und bezeugen die Bedeutung des Gaues in der Römerzeit. Römische Gutshöfe sind festgestellt bei Mötsch, bei Stahl, Oberweis, Meckel, Mettendorf, Bollendorf und Odrang. Das großartige Besitztum eines reichen romanisierten Trevererbarons in Odrang, dessen Villa 380 m lang war, 66 Räume, darunter Prunkräume mit kunstvollen Mosaikböden (Verwendung schöner Ornamente, des Hakenkreuzes und schöner Jagdbilder erregen heute in seinen Trümmern noch berechtigtes Staunen) hatte, eine Heizungsanlage mit Warmluftkanälen und eine Badeanlage für kalte und warme Bäder besaß und nahebei einen eigenen Tempel hatte.

Bei Staffelstein stand ein Straßendorf, dessen Straße ganz mit Häusern besetzt war. Bei Seffern war eine römische Siedlung, auch gab es dort Sandsteinbrüche. (Die Römer brachten nämlich das Steinbauhaus an die Stelle der alten keltischen Fach- und Lehmbauten.) Bei Neidenbach fand man auf der Ackerflur auf 4 verschiedenen Stellen römische Überreste, so a) „in der Ödau“ ein römisches Gräberfeld, b) „im Grappenbusch“ römische Brandgräber, c) „auf Pommerich“ römische Mauern, d) „auf Hummerich“ Reste von römischen Tempeln.

Auch südlich von Bitburg wurde an der Römerstraße bei Meilbrück eine römische Siedlung festgestellt, bei der jedenfalls auch ein Tempel gestanden hat, denn man fand dort 1874 eine Säule des Juppiter und einen Jupiterkopf und eine Weihinschrift zu Ehren des Gottes Merkurs.

Daß die Römer, ihre romanisierten Legionäre und ihre Händler neben großen Eroberern auch kluge, geschäftstüchtige Handelsleute waren, die die Ertragnisse und Schätze der eroberten Gebiete und die Arbeitskraft ihrer Bewohner gut auszunutzen verstanden, beweisen unter anderem die römischen Töpfereien in Speicher. 1876/77 wurden zwischen Speicher und Herforst durch Plein=Wagner aus Speicher zwei römische Töpfereien freigelegt und 1881 sieben weitere. Es ist sicher, daß zwischen 100 und 400 n. Chr. der römische Töpfereibetrieb in Speicher und Umgegend bei dem hochwertigen Tonboden in hoher Blüte stand. Die Funde beweisen, daß die Römer nicht nur Töpferwaren sondern auch Ziegel hier brannten.

Wie in der vergangenen Keltenzeit so spielte auch in der Römerzeit die Landschaft an der Sauer und die Ferschweiler Höhe ihre geschichtliche Rolle. Römische Reste fanden sich in der Nähe von Ferschweiler, auch Altertümer, Tonkrüge, Ringe Särge, Urnenkasten, Bronzeteile, Münzen von Vespasian und Domitian, die es erklärlich machen, daß die Altvorderen behaupteten, hier habe ehedem eine Stadt gestanden. Sicher war das Ferschweiler Plateau zur Römerzeit stark besiedelt, was auch erklärt, dass sich in der Gegend eine Reihe von Kultstätten befinden, wovon heute noch Inschriften Zeugnis ablegen. Eine solche Inschrift römischer Herkunft findet sich an einem Felsen südlich der alten Niederburg, im südwestlichen Teil des Plateaus, unweit Weilerbach an dem „Dianendenkmal“. Die schöne und regelmäßige Inschrift lautet: „DEAE DIANAE Q POSTUMIUS“. Das Dianadenkmal wurde errichtet von dem romanisierten Treverer Postumius Potens zu Ehren der Jagdgöttin. Hier war vermutlich eine Kultstätte der Göttin Arduinna (die Ardenne). Der Dianenkult war in den Ardennen bis ins Mittelalter lebendig. Es ist wahrscheinlich dasselbe Denkmal, das Gregor von Tours erwähnt in der Trierer Gegend, das durch den hl. (heiligen) Wulfilaicus zerstört wurde. (Nach der Legende der Gegend wurde das Dianadenkmal vom hl. Willibrord zerstört).

Eine andere Kultstätte scheint auch bei Weilerbach in einer Seitenschlucht des Weilerbachtales, unmittelbar an dem Wege von Weilerbach nach Ernzen, in den sogenannten „Schweineställen“ gewesen zu sein, wie aus einer schmucklosen Felseninschrift hervorgeht. Die Inschrift wird von der Fachwissenschaft in die Zeit um 250 n. Chr. gelegt. Sie lautet einfach: „ARTIONI BIBER“. Artio ist eine römische Göttin, die im Ardennengebiete als Ardoina, Arduena, Ardbina verehrt wurde, und der man Altäre errichtete. – Nach einer anderen Deutung dankte mit dieser Felseninschrift der Einheimische Biber, der Göttin Artio für die glückliche Errettung aus den Klauen eines Bären.

Aus spätrömischer Zeit, aus dem 4. Jahrhundert, ist noch die große kaiserliche Domäne, die einige für einen kaiserlichen Wildpark, andere für ein kaiserliches Gestüt halten, in welchem für das römische Heer und das Verkehrswesen Pferde gezüchtet wurden, zu erwähnen. Dieses große kaiserliche Gut umfasste ein Gebiet von fast 300 qkm an der unteren Kyll, hatte eine Längenausdehnung von etwa 30 km und einen Umfang von 20 Wegstunden. Es war mit der sogenannten „Langmauer“ umfriedet, die von Legionären erbaut wurde, wie die Inschrift  auf zwei bei Herforst gefundenen Steinen bekundet. Nach diesen 1843 und 1899 geborgenen Steinen haben Soldaten der ersten Legion unter Kaiser Vespasian (69-79) an der Mauer gearbeitet. Die „Langmauer“ von der noch einzelne Trümmer vorhanden sind, führte von Aach bei Trier über Fliessem über die Kyll, Seinsfeld, Herforst bis zur unteren Kyll.

Von dieser römischen Langmauer sind folgende zwei Sagen erhalten

  1. Eine reiche Fürstin auf der römischen Villa bei Fliessem (also Odrang) habe nach dem Tode ihres Mannes ihr ganzes Besitztum zum Schutze mit einer festen Mauer umgeben lassen, um vor den Nachstellungen ihrer Verwandten sicher zu sein, die ihr Vermögen haben wollten.
  2. Zwei Brüder lebten in Odrang in ständigem Zank und Streit. Der eine hat dann schließlich zur Sicherung sein Besitztum mit einer festen Mauer umgeben lassen.

Wie in späteren Zeiten die zerfallenen Burgen Bausteine zu Neubauten lieferten, so fand man auch römische Steindenkmäler und Bruchstücke häufiger vermauert vor und konnte froh sein, auf diese Art wenigstens spärliche Kunde von Vergangenen zu haben.

Das mächtige, gewaltige Römerreich trug einen Todeskeim in sich, der den Verfall unausbleiblich werden ließ. Mit dem Glanz und der Macht und dem Reichtum hielt die Üppigkeit und der Zerfall von Tugend und Sitte gleichen Schritt. Die Nachkommen der alten tapferen Römer waren feige Memmen geworden und ließen fremde Söldner, Ausländer für sich kämpfen. Das ging freilich nur solange gut, bis die romanisierten Fremden die innere Faulheit des Reiches erkannten und nicht mehr für fremde Ausbeuter kämpfen, bluten und sterben wollten. Zudem erstanden den Römern in den tapferen Germanenscharen, die auf Landsuche auszogen, Gegner, die solange sie in kleinen Völkerschaften auf die Römer stießen, noch zurückgehalten werden konnten, die aber bei großen Gewaltvorstößen nicht mehr zu bezwingen waren. So ist ein Vorstoß der Ubier auf der linken Rheinseite bekannt, die von den Römern in Sold genommen wurden. 275 versuchten auch die Franken und die Alemannen südwärts vorzudringen. Von 405 an dauerten die Vorstöße der Germanen ständig an.

Durch alle diese Tatsachen im Innern des Römerreiches und an seinen weitausgedehnten Grenzen, durch den Mangel eines einheitlichen Volkstums, durch innere Uneinigkeit usw. kam der Zerfall des römischen Reiches. Um 390 begann der Glanz der Kaiserstadt Trier zu erlöschen und die Römermacht im Lande zu zerbröckeln. 405 eroberten die Franken zum ersten Male Trier, konnten es aber nicht dauernd behaupten. 450 eroberten die Hunnen unter Attila Beda und Trier, wurden dann aber bei Chalons an der Marne vernichtend geschlagen, sodass sie ins Ungarnland zurückflohen, wo sich ihr Reich und Volk später auflöste.

460 ging Trier und damit unsere Gegend endgültig in den Besitz der Franken über, und damit endete die Römerherrschaft in Deutschland vollends.

ert