Die Bevölkerungsmehrheit in den deutschen Staaten unterstützte die von liberaler und demokratischer Seite erhobenen „Märzforderungen“: Sie umfassten neben Presse, Vereins und Versammlungsfreiheit unter anderem auch die Einberufung eines „deutschen Parlamentes“. Auch der Regierungsbezirk Trier wurde von diesem Geist erfasst. Nikolaus Thilmany, der damalige Landrat von Bitburg und ein Unterstützer der progressiven Ideen, wurde vom Bitburger Stadtrat zum Teilnehmer am Vorparlament in Frankfurt gewählt, welches die, aus heutiger Sicht historische, Nationalversammlung in der Paulskirche vorbereitete. Um die Stimmung in der Stadt Bitburg für die preußische Regierung einzufangen, wird ein Regierungsassessor mit dem Namen Schede Mitte Mai 1848 nach Bitburg versandt. Am 18. Mai 1848 schreibt der Regierungsassessor Schede einen Bericht an seine Vorgesetzten. Das Dokument, welches im Bestand 442 Nr. 3534 im Landeshauptarchiv Koblenz archiviert ist, wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des aktuellen VHS Kurses des Stadtarchivs übersetzt. Die Übersetzung ist auf der Internetseite der Stadt Bitburg unter den Rubriken „Stadtarchiv“ und „Personalakte Thilmany“ für die Allgemeinheit veröffentlicht worden. In den nächsten Wochen soll diese Übersetzung in mehreren Teilen präsentiert und erläutert werden. Das dieser Bericht eindeutig nicht neutral war, wird schon im ersten Abschnitt sichtbar. So schreibt Schede: „Schon bei meiner ersten Anwesenheit in Bitburg hatte ich Gelegenheit, die Wahrnehmung zu machen, dass dieses Städtchen von einem üblen Geiste der Unordnung aus mißverstandenen und unverdauten politischen und socialen Ideen erfüllt ist, und diese Bemerkung befestigte sich durch alles, was ich auf der ganzen Tour durch die Eifel über Bitburg hörte, endlich aber auch durch die Erlebnisse bei meiner letzten Anwesenheit.“
