Auszüge aus der Bitburger Schweisdalchronik

Übersetzt durch den VHS Kurses des Stadtarchivs im Frühjahr 2026

Übersetzung von Auszügen aus der Schweisdalchronik

Die im luxemburgischen Nationalarchiv vorliegenden Schweisdalchroniken wurden vom Bitburger Bürger Johann Schweisdal verfasst und stellen eine wichtige Quelle für die Stadtgeschichte Bitburgs im Zeitraum von 1645 bis Mitte des 18. Jahrhunderts dar. Schweisdal entstammte einer einflussreichen Bitburger Schöffenfamilie. 

Der VHS Kurs des Frühjahrs 2026 hat folgende Auszüge übersetzt:

  • 1647

    Anno 1647 ist widerumb der Obrist Baron de Fours allheint wie daß vorig Jahr ins Quartier gezogen. Haben ihm auf 2 Monat geben 1000 Carolus Gulden, 100 Reißthaller alle Monat vor Service, Eßen und Drincken vor die Soldaten, Hew und Haber vor die Pferdt. Darbeynebent haben mir gehabt 30 Musquitir sampt einem Leutenant und 20 Weiber mit 25 Kindern in den Kosten alle zu underhalten von Herrn General Becken Regiment.

    Der Hencker gesegen ihnen allesammen den Käß.

    Diß Jahr den 20. Februarii seint etliche Lotharingerse Regimenter, deren dreyzehn gewesen, under dem Commando des Graffen von Luneville in die Eyffel in das Trierische Land ankommen. Prüm ingenohmen, darin 2 Regimenter gelegen, in Schoenecken ein Regiment zu Fuß. Alles verderbt und verhert, waß bey noch naher gewesen wie dan ihre Gewohnheit mit sich bracht.

    Tandem aliquando dabit ipsius Deus mercedem.

    [...]
    Diß Jahr umb Halbfasten in dem Mertz hat mein Sohn Christophel die Pocken gehabt und sein zu diser Zeit viel Kinder darmit gestorben.
    Diß Jahr in Martio ist der Ertzherzogh Leopoldus, Ferdinandi terty Broder (Bruder des österreichischen Kaisers Ferdinand III) vereyset. Durch die Eyffel marschiret und zu Gerolstein übernacht. Dafon danne auf St. Veit (St. Vith) [...]
    Den 6. Aprilis dieses Jahres ist Statt Vittlich sampt Schloß, noch etlich wenig Häußer ausgenohmen, gantz und gar verbrant. 
    Den 23. Aprilis auf Osterdinstagh hat sich der Obrist Baron de Fours, welcher allhie in Winterquatier lage, gantz rebellisch angestelt, den Leutnant von Beckischem Regiment gefangen genohmen, die Wachten von den Thorn herunder getriben, sampt den Burgern den Soldaten das Gewehr abgenohmen. Darauf haben sich unser etlich auf das Rathaus salvirt, funfzehn oder sechzehn ungefehr, in Meinungh, die andern Burger würden alle dahin kommen, die Sturmklock leuthen thun. Aber inmittels seint die barbarische Reutter auf der Straßen herumber gangen, den Burgern, welche aus den Heusern mit Gewehr kommen, uns andern auf dem Rathaus beizuspringen, das Gewehr allenthalben abgenohmen und also balt der Obrist mit zwei Compagnien, seinem Obristwachtmeister, zwei Rittmeistern mit ihrem Gewehr hat unsere geringe Anzall auf dem Rathaus attaquieret, mit Stürmen und Schießen. Allem aber disem ohnahngesehen, haben wir uns dermaßen defendirt, daß keiner so keck und kühn gewesen, bei uns zu kommen. Und über zwei Stunden zusamen scharmutzeret. Entlich hat der Obrist geschrien: "Friedt, Friedt, Friedt." Wir solten herunder kommen, es würde keinem Leidt geschen. Er aber hat sein Wort gehalten gleich einem Hondt (Hund) die Fasten halt. Den Burgern hat er das Gewehr abgenohmen, das meinigh hab ich behalten.

    In disem Scharmutzel ist Peter Pauli thot plieben sampt einem Knecht von Scharfbillich, welchen sie veratlicher und morderischer Weis, indem er zu seinen Pferden gangen, erschossen. Auch etliche Musquetir verletzt. Die Reutter haben auch keine Seide darbei gesponnen. Es ist ein Rittmeister, genant Vatio, mit einer Helleparden gestochen. Auch drei oder vier etlicher Maßen verwundet. 

    Adiuvante Deo, suo tempore lucrabuntur mercedem et praemia quae homicidas decet.
    Mit Hilfe Gottes werden sie zu ihrer Zeit  den Lohn und Preis erhalten, der den Mördern gebührt.

    Auf Heudt, ipso Philippi und Jacobi (= 1 Mai) umb sieben Uhren ist Haupamann Michell, Beckischen Regiments von Echternach alhierher commandirt worden mit 60 Mann, den Obristen de Fours in Arrest zu nehmen, welcher, so balt seine Ankunft vernohmen, die Pforten verschlossen. So seint also balt die Musquetirer, welche in der Statt den Winter durch gelegen, sampt dem Leutnant zu dem Geißenthorn (Geisenturm), denselben ingenohmen und die Auswendige mit Leitern heruff gebracht. So seint die Burger auch gleich in Gewehr gelaufen, dem Hauptman Beistant zu leisten, wie die Ordnungh von dem Gubernatoren mit sich bragt. Die Reutter aber haben sich zu des OBristen Quartier (Rensons Haus) retiriert mit ihrem Gewehr, umb sich darin zu deffendiren. Wir aber seint in Schlachtordnung vor das Haus hergezogen, die Reutter von beiden Pforten herunder getriben, alle Posten besetzt. Auf den Abend hat er sich ergeben. Die Reutter haben wir zur Pforten ausgelassen sampt dem Bagagi. Der Obrist aber ist alhier in Arrest pliben.

    Den 10. May ist der Conte de Luneville mit 12 Regimentern zu Pferdt und zu Fuß alhier umb Bidtburgh gewesen. Bis zum Endt des Mayes alles verderbt, die Fruchten abgesetzt.

    In hoc anno 1647 ultimo Maii hora nona matutina ex hac miserrima valle migravit Reverendus Dominus Simon Renson, pastor in Sulm, vicarius S. Petri in Bidtburgh.

    In diesem Jahre 1647 am letzten Tage des Mai in der neunten Morgenstunde, verließ der hochwürdige Herr Simon Renson, Pastor zu Sülm und Vikar der St. Peterskirche zu Bitburg dieses Tal des Elends.

    Am 22. July 1647 hat der Conte de Luneville durch seine Truppen die Freiheit Bettingen sampt dem Schloß thun plündern. Haben mehr als 400 Pferdt, 1000 Stuck Rindtfehe, 3000 Schaf sampt allem Gut von 12 oder 14 Dorfern bekommen, 10 Heuser in der Freiheit verbrant und dermaßen Insolentz verubet, vermeinte die Turcken hetten es nicht erger machen können. Dis konnten die Lothringer.

    13. Augusti 1647 haben die frantzösische Garnisonen außer Diedenhoffen, Metz und Sirck, Gräffenmachern ahn der Mosel eingenohmen, dasselbigh gantz und gar demolirt.

    Im selben Monat ist zu ihnen gestoßen der Visconte de Touraine und haben Arle (Arlon) belagert, doch wider unerreichter Sachen darvon abgezogen.

    Im selbigen Monat haben die statische Garnisonen Speicher des Morgens umb siben Uhren attaqirt. Die Bauern aber, welche sich in die Kirch verschantzt, haben sich daper gewehrt, sich und ihr Vihe salvirt. Die Hollender aber haben das Dorf in Brant gesteckt. Es scheint alda gepliben thot 5 Soldaten sampt einem noch bei sich habenden Leutnant, und viele verwundt.

    Dis Jahr haben die Franzosen aus Didenhoffen her mit Partheien diser Ort gestreift: Die Pferdt zu Mersch (Mötsch) und Maßholder samt dem Rintvihe weggetriben. 

    Der Parteyen Führer ist gewesen ein Frantzoß genant Saint Martin und ein Lanthveräther darbei aus disem Landt mit Namen Leyren Johann, welcher alhie zum Schelm ausgerissen, seine Fraw mit 4 Kinder lassen sitzen und eine andere (Frau) zu Metz genohmen.

    Den 14. Septembris auf heiligen Creutz Thagh ist obgenannter Saint Martin und Leiren Johann mit 60 Pferden des Morgens in Oberweis gefallen, das Vihe sampt dem zu Bettingen hinweghgetriben, dessen dach nicht vil gewesen. Ihrer aber haben unsere Schutzen, deren ungefir 40 gewesen, nicht weit von Welschbilliger Gericht erwartet, diselbe auf freyem Felt angegangen, darauf chargirt wie auch die Frantzosen auf sie. Dergestalt daß etliche von den Bauern verwund und einer thot bliben. Hingegen aber seint ihrer (der Franzosen) 14 bis auf den Thot verwundt, 5 thot pliben, auch drei oder vier Pferdt, des S. Martin Pferdt erobert sampt seinem Mantel. Er aber noch zu Fuß darfon kommen, edoch verwundt, wiwoll er schon quartir begert (Quartier begehren=sich ergeben).