Josef Levy wurde am 14. Dezember 1901 in Bitburg geboren und gehörte zu den frühen Mitgliedern des 1919 gegründeten FC Bitburg. Er engagierte sich nicht nur als Spieler, sondern war auch ehrenamtlich im Vereinsvorstand tätig und wird 1922 sowie 1924 als zweiter Kassierer des Vereins erwähnt. Ein Mannschaftsfoto aus dem Jahr 1919 zeigt ihn gemeinsam mit seinen Mitspielern und erinnert daran, dass jüdische Bürger selbstverständlich am gesellschaftlichen und sportlichen Leben der Stadt teilnahmen.

Erste Mannschaft des FC Bitburg 1919
Hintere Reihe stehend von links: Servatius Ebel, Peter Messerich, Ludwig Jutz, Jakob Borscheid, Peter Barg, Philipp Messerich, Willi Mondorf, Albert Tressel, Matthias Preß, Hubert Mergen
Vordere Reihe kniend von links: Josef Levy, Vorsitzender Klaus Probst, August Hagenbuch
Neben seinem Engagement im Fußball war Josef Levy als Kaufmann tätig. In Bitburg führte er zunächst ein Zigarren- und Tabakgeschäft in der Hauptstraße, bevor er 1924 das Großhandelsgeschäft „Müller & Levy“ übernahm und sein Geschäft in den Karenweg verlegte.


Im Jahr 1934 zog Josef Levy nach Langerwehe, wo er Else Wertheim heiratete. Gemeinsam führten sie ein Geschäft für Manufakturwaren und Kleidung. 1936 wurde ihre Tochter Lisette geboren. Mit der nationalsozialistischen Verfolgung verschlechterte sich die Situation der Familie jedoch zunehmend. Der Boykott jüdischer Geschäfte und die wachsende Ausgrenzung machten ein normales Leben unmöglich. Wie viele andere jüdische Familien versuchten Josef und Else Levy durch Flucht der Verfolgung zu entkommen. Über die Niederlande gelangten sie nach Frankreich, doch Josef Levy wurde verhaftet und in das niederländische Durchgangslager Westerbork gebracht. Von dort wurde er am 16. Juli 1942 nach Auschwitz deportiert, wo er nur wenige Wochen später, vermutlich am 30. September 1942, im Alter von 40 Jahren ermordet wurde.
Else Levy wurde ebenfalls Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung. Ihre gemeinsame Tochter Lisette überlebte jedoch. Vermutlich gelang es Else Levy vor ihrer Deportation, das Kind in die Obhut der französischen Fürsorge zu geben. Nach dem Krieg wurde Lisette von einer Familie im Elsass adoptiert und lebte später unter einem anderen Namen in Mulhouse.
Auch Josef Levys Schwester Irma Apfel, ihr Ehemann Julius und ihre Tochter Ursula wurden Opfer des Holocaust. Gemeinsam wurden sie am 28. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo Julius im Jahr 1943 starb. Irma und Ursula wurden zunächst nach Auschwitz, dann in das Konzentrationslager Stutthof deportiert. Dort wurden sie am 1. Oktober 1944 ermordet.

Die Geschichten der Familien Levy und Apfel zeigen exemplarisch, wie tief die nationalsozialistische Verfolgung in das Leben jüdischer Familien auch aus kleinen Städten wie Bitburg eingriff. Zugleich machen sie deutlich, dass die Opfer des Holocaust nicht nur anonyme Namen in Deportationslisten waren, sondern Menschen mit sozialen Beziehungen, Familien, Berufen und einem festen Platz im gesellschaftlichen Leben ihrer Heimatstadt. Heute erinnern Stolpersteine in Langerwehe und in Bonn an Josef und Else Levy sowie an Irma, Julius, Ursula und Miriam Apfel.
Familienmitglieder Levy
Irma Apfel geb. Levy (Schwester)
