© Familie Gisela Metzen, Bitburg, Stadtarchiv Bitburg

Zillgens Beschreibung der Geschichte Bitburgs

Übersetzung der handschriftlichen Aufzeichnungen Johann Zillgens durch VHS Kurse in Bitburg

Die Geschichte der Region Bitburg nach Johann Zillgen

Der an der damaligen Landwirtschaftsschule als Oberlehrer tätige Johann Zillgen (1864-1945) schrieb in den 1930er Jahren in mehreren kleinen Aufsätzen eine eigene Geschichte der Stadt und Region Bitburg. Sie beginnt in der Steinzeit und endet in den 1930er Jahren. In den nächsten Jahren sollen die durch den VHS Kurs angefertigten Übersetzungen dieser Texte auf dieser Seite der Öffentlichkeit präsentiert werden.

  • Die Stadt Bitburg in der Römerzeit

    Der Name Bitburg geht über Bidburg, Bedaburg, Bedavicus zurück auf beta, d.i. Birke. Der Name Beda ist nicht lateinischen Ursprungs sondern keltisches Sprachgut und beweist, dass Bitburgs Alter schon in die vorrömische Zeit zurück reicht. Der Name Bed- oder Bidgau, römisch „Pagi Bedensis“ bedeutet Birkengau.

    Der Name Beda wird uns freilich erst durch Schriften römischer Zeit bezeugt, nämlich durch das Reisehandbuch des römischen Kaisers „Itinerarium Antonini Augusti“ und durch die sogenannte „Peutinger-Tafel“ oder „Itinerarium pictum“, d. i. gemaltes Reisehandbuch oder Reisekarte. Das Reisetagebuch des Kaisers Antoninus Pius erwähnt, dass Bitburg 12 römische Meilen von Trier entfernt ist, was genau bis St. Maximin reicht, wo schon Siedelungen außerhalb der Stadt im Schutze der römischen Besatzung lagen. (Itinerare=Straßenkarte)

    Schon in der vorrömischen Zeit war hier eine Straßensiedelung des keltogermanischen Stammes der Treverer unter dem Namen Beda. Da war der wichtigste Ort und der Mittelpunkt des Bidgaues. Hier boten Händler und Verkäufer ihre Waren feil. Von hier aus führten Handelswege zur Mosel und zum Rhein.

    Die Römer faßten die zur Marktsiedelung Beda gehörenden Gehöfte zu einer römischen Volksgemeinde der Treverer (einer Civitas Treverorum) zusammen. Diese Gemeinde hatte die Geltung eines „Vicus“ oder Dorfes, d.i. der Zusammenschluss mehrerer Einzelhöfe, hatte aber schon ihre größere Bedeutung an der Verkehrs- und Handelsstraße Trier-Köln.

    Die Römer bauten den alten Verkehrsweg durch die Eifel in eine Kunststraße, ihre Heerstraße nach Köln, um. Sie sperrten diese Heerstraße gegen drohende Einbrüche der Germanen durch Ortsbefestigungen, da sie die günstige militärische Bedeutung Bedas, das für die römischen Truppen auf ihrem Marsche von Trier nach Köln erster Rastort war, erkannten, machten sie Beda bald nach 300 n. Chr. zu einer starken Straßenfestung, einem Kastell. Das geschah wohl durch Kaiser Konstantin, der in Trier herrschte. Der Name des Kastells blieb Beda vicus oder Vicus Beda, auch Castrum Bedense.

    Das Kastell Beda oder Castrum Bedense bildete ein unregelmäßiges Oval (wohl wie es die Bodengestaltung der Kuppe am leichtesten zuließ) von etwa 200m Länge und 160m Breite und bedeckte etwa 2 ha = 8 Morgen. Sicher hatte die alte Siedelung Beda schon damals mehr Ausdehnung, als das durch die alte Stadtmauer begrenzte Kastel, aber das Kastell ließ sich in seiner kleinen Ausdehnung leichter verteidigen, weil es auf der höchsten Stelle des Ortes, auf einer Kuppe lag, die nicht so leicht einnehmbar war. Das Kastell war mit einer 3,80m dicken Steinmauer umgeben, die durch 13 vorspringende Rundtürme (an jedem Knick einer) von 9-10m Durchmesser gesichert war. Die Türme waren 27,5 bis 35,5 m voneinander entfernt. Dadurch, dass die Türme nach außen vorsprangen, konnten die hier stehenden Verteidiger die unbeschilderte Seite der Feinde mit Pfeil, Speer und Stein treffen. Die Türme des Kastells waren teils Volltürme teils Hohltürme. Auf dem Volltürmen wurden die Verteidigungsmaschinen aufgestellt. Durch die Hohltürme konnte man mittels Leiern auf die Höhe der Festungswerke gelangen. Bei einer Erstürmung des Ortes konnten sich die Verteidiger auf die Mauern und Türme flüchten und sich von hier aus noch kräftig wehren. Einige der Türme hatten schräg angelegte Ausgänge zu Verteidigungszwecken und etwaigen Ausfällen. Sonst waren Einfahrt und Ausfahrt nur durch die zwei Kastelltore, von denen eins im Norden, das andere im Süden die Heerstraße abriegeln konnte. Das Nordtor war ein schwerer Bau mit Rundtor. Es lag da, wo heute die Häuser 89-87 an der Adolf-Hitler-Straße stehen (Gasthaus und Goldgeschäft N. Messerich). Das Südtor stand an derselben Straße (früher Hauptstraße) da, wo die enge Mohrengasse die Ecke des Kaufhauses Endres bildet. Es war nicht gerade so wuchtig wie das Nordtor. Um das Kastell lagen in geringer oder weiterer Nähe noch weitere Stützpunkte und Wachposten, wodurch das Kastell mehr geschützt war.

    Die römische Stadtmauer westlich der Hauptstraße führte vom Südtor bei Endres aus die Mohrengasse hinunter bis zur heutigen Remise und Wurstlerei Louis Müller, von dort zur „Römermauer am Turmmarkte“ wo der stark geböschte Turm mit dem 1887 aufgesetzten Wasserbecken steht, dann zum Turm mit der Rundung des aufgesetzten Pfarrhauses, dann zum Fundamente des Vereinshauses und der Villa Schadeberg und dann östlich umbiegend nach dem Nordtor. Die Mauer der östlichen Kastellhälfte führte im Bogen vom Nordtor an den Enden der Hans Lehnert-, Geiben-, Sack-, Baptist-, Schrodengasse entlang zum Südtor. Viel später, im Mittelalter, wurde an der Südecke dieser Seite auf römische Grundmauern der Cobenhof erbaut.

    Für den Mauerbau wurde heimischer Kalkstein benutzt. Wie die „Römermauer“ am „grünen See“ (Schweinsmarkt) zeigt, sind die Steine nicht flachliegend vermauert sondern in verschiedenen Schichten schräg übereinandergestellt; man nennt dies Fischgrätenverband,“ Die Reste dieses jetzt über 1600 Jahre stehenden Bauwerkes sind heute noch hart wie Eisen. Die Mörtelherstellung ist noch immer ein Geheimnis. Die einen behaupten, der Mörtel bestehe aus gelbem Sand und einem geringen Zusatz von Ziegel. Die anderen wollen wissen, dass die Römer dem Mörtel ungelöschten Kalk zugefügt und ihn dann gehörig verarbeitet hätte.

    Trotz dem Beda nicht als Stadt im römischen Rechtssinne galt sondern nur als „Vicus“ (=Dorf), muss es von Bedeutung gewesen sein und Wohlstand besessen haben. Es war ja Hauptort des großen Bedgaues, und die geschichtlichen Funde sind ein beredtes Zeugnis für die kulturelle, wirtschaftliche und militärische Bedeutung des Ortes. Nach Trier war Bitburg, der bedeutendste Ort im Trevererlande. Seine Wohlhabenheit beweisen ja auch die reiche Theaterstiftung des Lucius Gamburio, der Bau des Farator (Feuersignalturmes) durch die Jungmannen und die Theaterspiele zu denen sicher außer den Bitburgern auch die reichen Gutsbesitzer der Römervillen aus der ganzen Gegend erschienen. Das beweisen auch die Tempel in der Stadt und der Umgegend.

    Wegen der Raumknappheit innerhalb des Kastells waren die Straßen eng und der Raum für Wohnbauten jedenfalls sehr ausgenutzt. Aber es ist anzunehmen, dass der Ort auch schon zur Römerzeit einen guten Eindruck machte und seinen Bewohnern in jeder Hinsicht alles bot, was zu einem angenehmen Leben gehörte. Vielleicht ist eines davon auszunehmen, und das ist das Wasser auf der Höhe. Dadurch lässt sich auch leicht erklären, warum an der östlich in einiger Entfernung vor dem Kastell liegenden ständig aber nicht stark fließenden guten Quelle eine Kultstätte der Wassergöttin Sirona und des Wassergottes Granus war.

    Auf der Stelle der heutigen Liebfrauenkirche, also auf dem höchsten Punkte Bedas, war ehemals eine heidnische Tempelstätte. Im Jahre 1862 fand man beim Erweiterungsbau der Kirche nach Berichten von Pfarrer Portery einen römisch-heidnischen Altarstein mit einer Vertiefung, in das das Blut geschlachteter Opfer aufgefangen oder die Asche verbrannter Opfer gesammelt wurde, was wie andere Fundstücke auf einen Tempel hinweist. Leider sind diese Fundstücke verkommen. In nächster Nähe der Kirche wurden 1922/23 zwei Steinbilde gefunden, von denen eines 1,15m hoch den Schmiedegott Vulkan, leider geköpft, das andere ein Bruchstück des Merkur oder Mars darstellt; auch stieß man beim Niederlegen der Mauer des Pfarrgartens auf römische Gewölbe. Zu dieser heidnischen Kultstätte mag auch das römische Theater gehört haben, das durch eine Inschrift bezeugt wird. Zwar ist diese Inschrift nicht bei der Kirche sondern an der späteren römischen Ringmauer, in die sie vermutlich eingemauert war, 1889 gefunden worden. Diese Bau- und Weihinschrift besagt, dass ein Mann Lucius Gamburio (ein reicher Einheimischer) den vergötterten Kaisern und dem Jupiter eine Schaubühne mit Loge geweiht und obendrein den Betrag von 50.000 Sesterzen (Denaren) = 43.500 Reichsmark (= ca. 204.450 Euro) gespendet habe, mit dem die Pfleger der Ortschaft (die Curatores vici) die Unterhaltung des Baues und der Spiele alljährlich am Blütenfest, am letzten Tage des April, bestreiten sollten. Die Weihung des Bauwerkes war nach der Inschrift im Jahre 198 n. Chr.

    Im Bering der Liebfrauenkirche wurde auch ein Steinblock gefunden mit einer Inschrift, aus der hervorgeht, dass der Stein zu einem Bau gehört hat, der dem im Land der Averner (Auvergne) beheimateten Gotte „Vassocales“ (der mit dem römischen Merkur verglichen wurde) geweiht war. Also hat wohl ein Arverner, den der Handel nach Beda geführt hatte, hier seinem gallischen Gotte einen Tempel geweiht.

    1933 fand bei den Kanalisationsarbeiten ein Arbeiter in der Nähe der Kirche eine römische Bronze- oder Goldmünze, etwa von der Größe eines Talers mit dem Bildnis eines Kaisers und des Gottes Merkur. Wohin er die Münze abgab, weiß ich nicht.

    Auch auf dem Gebiete, das außerhalb des Kastells lag, sind noch Funde von Bedeutung gemacht worden. So wurde, wie bereits erwähnt, in einer Quelle östlich der Stadt bei einer Reinigung derselben nebst einer Anzahl Münzen eine zweiseitige Votivplatte mit dem Bildnis des einheimischen Gottes Grannus und der einheimischen Quellgöttin Sirona gefunden. Dass in dem wasserarmen Bitburg diese kleine aber nie versiegende Quelle mit ihrem guten Wasser zur Kultstätte wurde, und dass man den Wassergöttern dort Geld opferte, ist leicht zu verstehen.

    Im Jahre 1890 wurde eine Bauinschrift gefunden, nach welcher das militärisch organisierte Collegium der Jünglinge auf einem von der Dorfgemeinde Beda geschenkten Platze im Jahre 245 n. Chr. einen Farator (Feuersignalturm) errichtete. Dieser Farator stand nördlich der Stadt.

    337 n. Chr. zerstörten die christlichen Glaubensboten viele Götzenbilder durch Abschlagen der Köpfe, um so dem heidnischen Volke die Machtlosigkeit ihrer Götter zu beweisen. Vielleicht geschah solche auch hier in Beda.

    Von 390 an begann der Glanz der römischen Kaiserherrschaft in Trier zu erlöschen und ihre Macht im Lande zu zerbröckeln. Von 405 an hatten die Römer dauernd gegen die Vorstöße der Germanen zu kämpfen.

    450 verwüstete Attila mit seinen wilden Horden einen großen Teil Mitteldeutschlands. Hunnische Scharen belagerten auch Bitburg. Ob aber die kleinen Hufeisen, die sogenannten „Hunnenpärdchie“, die bei dem Umbau der Brauerei Zangerle vor etwa 40 Jahren gefunden wurden, wirklich von den Hunnen herrühren, ist nicht sicher.

    460 erlischt die römische Herrschaft vollends und es beginnt die Zeit der Franken.

  • Römer im Bitburger Lande

    © Familie Metzen Bitburg, Stadtarchiv Bitburg


  • Bitburg im Frühmittelalter (500-800 n. Chr.)

    © Familie Metzen, Bitburg; Stadtarchiv Bitburg