Geschichte Rittersdorfs nach Johann Zillgen

Übersetzt vom VHS Kurs im 2. Halbjahr 2026

Geschichte Rittersdorfs

Den Namen soll der Ort den zwei alten Ritterburgen, die früher dort standen, verdanken. Die obere Burg stand an der stelle des alten Schulhausesm das auf deren Grundmauern erbaut wurde. Sie schaute hoch über das Nimstal hinaus und soll starke Tore gehabt haben. Sie gehörte dem Kloster St. Maximin bei Trier, das zu der Besitzung ein Hofgut einrichtete, dazu Ökonomiegebäude. Die heutige Pfarrkirche steht auf der Stelle der damaligen Hofkapelle. Diese Burg ist später verfallen.
Die untere Burg stand ehedem an der Nims und war ringsum von Wasser umgeben. Von ihr steht heute noch ein hoher runder Turm. Diese Burg wurde später niedergelegt, nur der Turm blieb stehen.(X3) Dann wurde eine neue erbaut an der Ostseite des Turmes. In der heutigen Burg ist noch ein alter gotischer Saal und in dem Ökonomiegebäude eine alte Wendeltreppe. Große Beachtung verdient vor allem das prachtvolle Tor.
Die Ritter von Enschringen sollen die Erbauer der Burg sein. Zwei Söhne eines Enschringens sollen sich um die Hand eines Burgfräuleins zu Oberkail beworben haben. Es kam zwischen den zwei Brüdern zu einem Zweikampf, wobei der jüngere den älteren durch einen Schuß in die Brust tötete. In Oberkail ist ein Steinbild, das die traurige Geschichte darstellt. Ein Fräulein das gewaltsam von einem Ritter it einem dicken Seile an sich gezogen wird. Ein zweiter Ritter ist abgebildet mit einem dünnen Faden, an dem ein Pfeil ist, der das Herz der Jungfrau trifft (das soll bedeuten, dass der eine der beiden jungen Ritter von dem Edelfräulein geliebt, der andere verschmäht wurde). Infolge des Brudermordes wurde der jüngere Ritter enterbt.
Die letzten Sprossen von Enscheringen waren zwei Fräulein. Sie lebten noch in dem Pestjahre 1498 und sollen sich gegen die Pest mit gutem Erfolge durch Aufhängen durchgeschnittener Zwiebeln in ihren Wohnräumen geschützt haben.(X1) Die Burg zu Rittersdorf wurde 1499 von einem Ritter von Schäfer aus Wien gekauft, dessen Gemahlin Anna Franziska von Veider vom Schlosse Malberg war. (der letzte Herr von Veider starb zu Malberg 1869). Herr von Schäfer war geboren auf dem Schlosse Landshut zu Bernkastel und war Beamter in Wien. Herr von Schäfer baute das noch stehende Herrenhaus auf der Ostseite des Turmes. Das schön erhaltene Burgtor in rotem Sandstein zeigt den Erbauer mit seiner Gemahlin, einen Schild mit der Jahreszahl der Erbauung MDLXXV (d.i.1575). – Im Jahre 1898 wurde dem Besitzer von einem Altertumsliebhaber aus Berlin für dieses Tor 2000 M, aber er gab es nicht her.(X2)
Herr von Schäfer war ein großer Liebhaber von Forellen, an denen damals die Nims sehr reich war. Er sandte oft solch wohlschmeckende Fische an seine Freunde, diese wunderten sich, dass er es in der Nähe von Nattenheim aushalten könne, wo es doch so viele Hexen gäbe. (Ein Spruch aus jener Zeit lautete: „Nattenheim, Nattenheim, wo die vielen Hexen sein“.)
Ein Adeliger von Umberscheid an der unteren Mosel heiratete eine Tochter des Herrn von Schäfer und wurde dadurch der letzte adelige Besitzer der Burg Rittersdorf. Er hatte 2 Töchter. Die älteste heiratete den reichen Herrn Wirtz aus Maldingen bei St. Vith, die zweite wurde Erbin der Burg und Herrschaft Rittersdorf, starb aber bald. Nun kam die älteste Tochter mit ihrem Gemahl Wirtz auf Wunsch des Vaters nach Rittersdorf wohnen. Aber schon nach fünf Jahren seines Wohnen in Rittersdorf starb Herr von Umberscheid (er war also nicht gleich nach seiner Heirat dorthin gezogen), dagegen erreichte seine Witwe ein hohes Alter. Nach ihrer eigenen Aussage sollen damals in Rittersdorf nur 16 Familien gewohnt haben, und so waren wegen Mangel an Arbeitskräften Ackerbau und Viehzucht in einem ärmlichen Zustande, sodass die Herrin mit der Bevölkerung kaum genügend Lebensmittel besaßen. Pferde und Kühe mussten sich hauptsächlich auf der Weide ernähren. Den Kleebau kannte man vor 1830 nicht. – Ein schönes Andenken an die Frau von Umberscheid bewahrt die Pfarrkirche. Es ist eine schöne goldgestickte Chorkappe,, welche die Gräfin selbst aus ihrem Brautkleide gefertigt hat.
Heute ist Rittersdorf ein blühender und wohlhabender Ort mit ertragreicher Landwirtschaft, Rindvieh- und Schweinezucht.

Nachträge

X1

Nach der großen Pestseuche von 1498 soll die Einwohnerzahl in Rittersdorf nur noch 15 Köpfe betragen haben.

X2

Die heutige Keilsmühle war in jener Zeit die Burgmühle. Die umliegenden Felder „in Daufels“ genannt, gehörten ebenfalls zur Burg.

X3

Die frühere Burg wurde in einer Ritterfehde zerstört. Der Ritter von Hamm überfiel des Nachts mit seinen Dienstmannen, den untertänigen Bauern, die Burg zu Rittersdorf und verheerte dieselbe. Die Bewohner retteten sich in den festen Turm. Bald darauf rächten sich die Rittersdorfer an der Burg Hamm und zerstörten sie gänzlich. Das heutige Schloss Hamm ist etwa 200 m von der Stelle des alten entfernt.