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Station 3
ehemalige Landwirtschaftsschule 

ehemalige Landwirtschaftsschule

ehemalige Landwirtschaftsschule ca. 1921

Mit dem sogenannten „Alten Gymnasium“ in der Trierer Straße befindet sich eine Bildungseinrichtung im Stadtrundgang, die exemplarisch für die Rolle von Schulen und Erziehung im Nationalsozialismus steht. Das Gebäude wurde ursprünglich im 19. Jahrhundert als Landwirtschaftsschule errichtet und prägte über Jahrzehnte die schulische Ausbildung in der landwirtschaftlich geprägten Region Bitburg.



Die landwirtschaftliche Schule wurde 1873 gegründet, um junge Menschen in modernen landwirtschaftlichen Techniken auszubilden und die regionale Landwirtschaft zu fördern. Nach mehreren Jahren in provisorischen Räumen konnte 1882 der Neubau in der Trierer Straße bezogen werden. Die Schule entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einer wichtigen Bildungseinrichtung der Region. 

Erster Schuldirektor war Dr. Franz Mecker, unter dessen Leitung (1873-1912) die Schule bald einen raschen Aufstieg erlebte. Am 25. April 1882 dann der Bezug des Neubaus in der Trier Straße, um 1900 gab es bereits an die 200 Schüler. Während des 1. Weltkrieges ging der Betrieb der Schule weiter, zahlreiche Schüler und Lehrer mussten allerdings in den Krieg ziehen. Einhundert Schüler und drei Lehrer waren gefallen. Vor der Schule erinnert noch heute ein Kriegerdenkmal, gestiftet vom landwirtschaftlichen Club Bitburger Abiturienten, an die Gefallenen dieses Krieges.

Landwirtschaftsschule ca. 1920er Jahre

Während der Zeit des Nationalsozialismus erhielten Schulen jedoch eine neue politische Bedeutung. Bildungseinrichtungen dienten nun nicht mehr ausschließlich der Wissensvermittlung, sondern zunehmend auch der ideologischen Erziehung im Sinne des Regimes. Ziel war es, Kinder und Jugendliche frühzeitig im Sinne der sogenannten „Volksgemeinschaft“ zu prägen und auf ihre zukünftige Rolle im nationalsozialistischen Staat vorzubereiten. Auch landwirtschaftliche Schulen standen unter diesem Einfluss. Besonders in ländlich geprägten Regionen spielte die nationalsozialistische „Blut-und-Boden“-Ideologie eine wichtige Rolle. Diese propagierte eine enge Verbindung zwischen „Volk“, Heimat und Landwirtschaft und stilisierte den Bauernstand als vermeintliches Fundament der deutschen Gesellschaft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zunächst weiter schulisch genutzt und später zum Kreis-
heimatmuseum umgestaltet. Bis heute ist das „Alte Gymnasium“ Teil des Bitburger Stadtbildes und erinnert daran, dass auch Bildungseinrichtungen in die nationalsozialistische Herrschaft eingebunden waren.


  • Tabellarische Darstellung der Geschichte der Landwirtschaftsschule von 1832 bis 1953

    1832 - Gründung des „Vereins zur Beförderung der Landwirtschaft, des Gewerbefleißes, der       

                 Intelligenz und Sittlichkeit in den Eifelgemeinden“

    1834 – In Bitburg gründet sich die 6. Lokalabteilung dieses Vereins.

    1840 – Landwirtschaftsverein für Rheinpreussen

    1842 – Lokalabteilung XXIII für Bitburg

    1869 – hat diese Abteilung mit ihren Tätigkeiten bereits eine beispielgebende Bedeutung über die

                 Kreisgrenzen hinaus.

    1872 – Erste Diskussionen im Stadtrat Bitburgs zur Gründung einer eigenen Landwirtschaftsschule

    1873 – Gründung und Schaffung der ersten Landwirtschaftsschule in Bitburg, vorläufig noch an

                 anderer Stelle.

    1882 – Eröffnung des Neubaus der Landwirtschaftsschule in der Trierer Straße

    1906 -  Bau der bis heute noch stehenden Turnhalle

    1927 – Ernennung zur höheren Landwirtschaftsschule und Ausbau zum Reform- und Realgymnasium.

    1933 – Seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten kam es auch im Schulwesen zu Veränderungen.

                 Klassen und Abteilungen wurden gekürzt bzw. geschlossen.

    1942 -  wurde die Landwirtschaftsschule geschlossen.

    1948 – Nach dem Krieg wurde der Betrieb der Landwirtschaftsschule wiederaufgenommen

    1953 – Bezug und Inbetriebnahme einer neuen Landwirtschaftsschule in der Brodenheckstraße

    Reform-Realgymnasium ca. 1936