Die erste Station des Stadtrundgangs führt zum jüdischen Friedhof im Talweg/Erdorfer Straße. Als Begräbnisstätte war es ein zentraler Ort für die jüdische Gemeinde und erinnert an die jahrzehntelange Geschichte der jüdischen Gemeinde in Bitburg. Zugleich macht er sichtbar, wie stark jüdisches Leben während der Zeit des Nationalsozialismus zerstört und verdrängt wurde.

Bevor es einen eigenen Friedhof in Bitburg gab, wurden die verstorbenen Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Aach bei Trier oder in Trier beigesetzt. Erst nach jahrelangen Bemühungen erhielt die Gemeinde Ende des 19. Jahrhunderts die Genehmigung, einen eigenen Begräbnisplatz am südlichen Ausgang des städtischen Friedhofs anzulegen. Seit 1890/1891 konnte dieser Friedhof genutzt werden.

Heute sind dort noch fünf Grabsteine erhalten, die alle in Form von Obelisken gestaltet sind. Vier davon besitzen Inschriften, drei auf Deutsch mit den Jahreszahlen 1900, 1904 und 1906, einer ausschließlich auf Hebräisch. Ein weiterer Stein trägt keine lesbare Inschrift mehr. Dass die jüdischen Grabsteine heute überhaupt erhalten sind, ist dem Bildhauer Wilhelm Dreiser zu verdanken. Er versteckte die Steine in seiner Werkstatt und bewahrte sie dadurch vor ihrer endgültigen Zerstörung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Grabsteine restauriert und wieder aufgestellt.[2]
Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde auch dieser Ort geschändet. In den 1940er Jahren entfernte man die Grabsteine vom Friedhof und begrub auf dem Gelände stattdessen 132 russische Kriegsgefangene, die in Bitburg während des 2. Weltkrieges verstorben waren.

Heute erinnert eine Grabplatte mit den Namen von 30 jüdischen Bürgerinnen und Bürgern an jene Menschen, die vor 1940 eines natürlichen Todes in Bitburg verstarben und höchstwahrscheinlich auf diesem Friedhof beigesetzt wurden.
Die Übersetzungen der hebräischen Inschriften befinden sich hier.
