Arbeitskreis

Station 6

Kölner Straße 4

Judenhaus in der Kölner Straße

Kölnerstraße mit Haus Kallmann auf der linken Seite vor 1945
Postkarte aus dem Zeitraum vor 1945 mit einem Blick in die Kölnerstraße, das Haus Kallmann ist auf der linken Seite zu sehen

Das Haus in der Kölnerstraße 4 gehörte einst der jüdischen Familie Kallmann. Ihre Geschichte verdeutlicht, wie Ausgrenzung, Enteignung und Deportation der jüdischen Bevölkerung auch in Bitburg betrafen. Ihr Haus wurde während der Zeit des Nationalsozialismus als „Judenhaus“ bezeichnet, da in diesen mehrere jüdischen Familien zeitweise gezwungenermaßen zusammenleben mussten.



Silve Kallmann wurde 1888 in Irrel geboren, seine Frau Sofie geb. Jakob 1890 in Spiesen im Saarland. Nach dem Ersten Weltkrieg zog die Familie nach Bitburg, wo 1921 ihre Tochter Else und 1923 ihr Sohn Kurt geboren wurde. Während der Reichspogromnacht am 09. November 1938 drangen SA-Männer in das Haus der Familie ein. Sie zerschlugen Fenster und warfen Möbel und Bettzeug auf die Straße. Kurze Zeit später wurde Silve Kallmann gezwungen, sein Haus weit unter Wert zu verkaufen. Käufer war der Schreinermeister Wilhelm Jutz und seine Frau Margareta geb. Thielmann aus Bitburg.[1]

KIassenfoto Bitburger Schule, Klassen Sexta und Quinta Frühjahr 1932, Quelle Archiv Poltorak


Im Jahr 1939 musste auch die Familie von Silves Bruder Jakob auf Anordnung der Gestapo ihr Haus in Mötsch verlassen und in die Kölnerstraße 4 ziehen. Die Familien waren zunehmend Repressionen ausgesetzt und mussten immer wieder persönliche Gegenstände und Kleidung wie Pelz- und Wollsachen abgeben. Selbst der zurückgelassene Hausrat wurde von Behörden abschätzig als „veralteter“ und „ungepflegter“ Besitz beschrieben.[2]

 

Schreiben der Gestapo an den Landrat betreffend der „Evakuierung der Juden“ vom 14.04.1942, Quelle: Stadtarchiv Bitburg

Ein Schreiben der Gestapo-Dienstelle Trier vom 14. April 1942 fordert die Familie Kallmann auf, am 23. April 1942 um 12.00 Uhr im Bischof-Korum-Haus in Trier zu erscheinen. Betreff des Schreibens war die „Evakuierung von Juden“. [3]  Die „Evakuierung“ ist in diesem Kontext ein beschönigender Begriff für ihre Deportation. Zusammen mit weiteren 441 Jüdinnen und Juden wurde die Familie schließlich am 23. April 1942 deportiert. Silve, Sofie und Else wurden im Mai 1942 im Konzentrationslager Belzec in Polen ermordet. Kurt Kallmann wurde 1942 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.[4]

Klassenfoto von 1930, Kurt Kallmann befindet sich in der oberen Reihe zweiter von links, Quelle: Sammlung Poltorak

Das Schicksal der Familie Kallmann steht stellvertretend für die systematische Ausgrenzung, Entrechtung, Enteignung und schließlich Ermordung jüdischer Familien. Es zeigt, wie staatliche Behörden, Polizei und Parteiorganisationen auf lokaler Ebene an der Verfolgung beteiligt waren. Begriffe wie „Evakuierung“ oder falsche Melderegistereinträge verschleierten bewusst den Charakter der Deportationen und sollten die Verbrechen verschweigen.


[1] Barkhausen, Thomas: Familie Silver Kallmann - Die letzte jüdische Familie Bitburgs, URL: https://www.bitburg.de/arbeitskreis-gedenken/juedische-gemeinde-bitburg/juedische-opfer/silve-kallmann/ (30.06.2026)

[2] Barkhausen, Thomas: Familie Silver Kallmann - Die letzte jüdische Familie Bitburgs, URL: https://www.bitburg.de/arbeitskreis-gedenken/juedische-gemeinde-bitburg/juedische-opfer/silve-kallmann/ (30.06.2026)

[3] Schreiben der Gestapo an den Landrat betreffend der „Evakuierung der Juden“ vom 14.04.1942, Quelle: Stadtarchiv Bitburg.

[4] Barkhausen, Thomas: Familie Silver Kallmann - Die letzte jüdische Familie Bitburgs, URL: https://www.bitburg.de/arbeitskreis-gedenken/juedische-gemeinde-bitburg/juedische-opfer/silve-kallmann/ (30.06.2026)