Der zentrale Ort für die Organisation der NSDAP in Bitburg und im Kreis war die Parteizentrale. Diese befand sich an der Hauptstraße 6 in Bitburg am heutigen Spittel an einem historischen Ort, dem ehemaligen "Hotel zur Post". Dieses Hotel bestand seit 1802 und wurde damals von Matthias Well eröffnet. Bis 1867 befand sich im Gebäude zudem auch der Postdienstbetrieb, von dem das Hotel seinen Namen erhielt.

Der Leiter der Parteizentrale der NSDAP war Johann Jakobs, der sie von 1937 bis 1945 führte. Von hier aus wurde die nationalsozialistische Politik im Alltag umgesetzt. Zu den wesentlichen Aufgaben zählte es Propaganda zu organisieren, die Bevölkerung ideologisch zu beeinflussen und „abweichendes Verhalten“ zu melden. Auch Kundgebungen, Feiern, Sammlungen und Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung wurden hier koordiniert.

Viele Veranstaltungen fanden auf dem Platz vor der Parteizentrale statt, der in der NS-Zeit in Horst-Wessel-Platz umbenannt wurde. Horst Wessel war ein SA-Mitglied, der nach seinem Tod von den Nationalsozialisten als Märtyrer verehrt wurde.[1] Nicht nur Plätze, sondern auch Straßennamen wurden umbenannt. So hieß die heutige Haupt- und Trierer Straße damals Adolf-Hitler-Straße und der Karenweg wurde zur Hindenburgstraße. Fotos von den Reichsparteitagen der Jahre 1936 und 1937 oder einem Treffen der Deutschen Arbeiterfront (DAF) zeigen die Kundgebung auf diesem Platz. Solche Umbenennungen und Veranstaltungen, dienten vor allem der Propaganda. Die Parteizentrale war dabei das wichtigste Organisationsorgan vor Ort.
[1] Siemons, Daniel: Wessel, Horst Ludwig Georg Erich, in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 884-885 [Onlinefassung], URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118631721.html#ndbcontent





Doch nicht nur die Parteizentrale befand sich auf diesem Platz. Denn hier befand sich die Leder- und Schuhhandlung von Eugen Sender. Dieser hatte 1924 mit seinem Bruder Leo eine Lederhandlung in Bitburg übernommen und diese 1929 um ein Schuhgeschäft erweitert. Die Lederhandlung entwickelte sich zu einem der führenden Betriebe der Region. Mit der zunehmenden Verfolgung jüdischer Geschäftsleute verschlechterte sich die Situation jedoch schnell. Das Schuhgeschäft musste 1935 geschlossen werden, die Lederhandlung wurde 1936 aufgegeben. Daraufhin flohen Eugen und Leo Sender im Jahr 1937 in die USA, nur so konnten sie den Krieg überleben. Im Wiedergutmachungsverfahren erklärte Eugen Sender, 1959, dass Karl Braun die Geschäftsräume übernommen habe. Bis heute befindet sich an diesem Ort das Schuhhaus Braun.
