
Mit dem „Alten Gymnasium“, wie das Gebäude in der Trierer Straße im Bitburger Sprachgebrauch genannt wird, sehen wir hier ein Gebäude aus dem späten 19. Jahrhundert mit einer wechselhaften Geschichte. Dieses Haus hat zwar mit dem Regime der Nationalsozialisten nur kurz und indirekt zu tun, dennoch spielt es auch in der Zeit von 1933 – 1945 eine nicht unbedeutende Rolle für die Bitburger.
Bereits damals, zum Ende des 19. Jhdt. war Bitburg ein zentraler Ort in einer von der Landwirtschaft geprägten Region. Um die Erträge aus der Landwirtschaft zu steigern, um neue Techniken anzuwenden, Vieh- und Felderwirtschaft zu befördern legte man bereits früh den Grundstein um die Bauern und Grundbesitzer zu unterstützen.
Nach einer engagierten und von Förderern unterstützten Planung konnte am 28. April 1873 erstmals eine landwirtschaftliche Schule in Bitburg eröffnet werden. Mit 54 Schülern wurde, allerdings zuerst Ermangelung anderer Räumlichkeiten, im Gebäude des Landwirtes Hüweler in der Kölner Straße (gegenüber dem Waisenhause), mit dem Unterricht begonnen.
„Die Aufgabe der Lehranstalt ist die Hebung des landwirtschaftlichen Gewerbes durch Heranbildunkörperlich gesunder, technisch brauchbarer und sittlich gekräftigter Landwirte“. (Zitat aus dem Bericht zur Einweihung der Schule)
Erster Schuldirektor war Dr. Franz Mecker, unter dessen Leitung (1873-1912) die Schule bald einen raschen Aufstieg erlebte. Am 25. April 1882 dann der Bezug des Neubaus in der Trier Straße, um 1900 gab es bereits an die 200 Schüler. Während des 1. Weltkrieges ging der Betrieb der Schule weiter, zahlreiche Schüler und Lehrer mussten allerdings in den Krieg ziehen. Einhundert Schüler und drei Lehrer waren gefallen. Vor der Schule erinnert noch heute ein Kriegerdenkmal, gestiftet vom landwirtschaftlichen Club Bitburger Abiturienten, an die Gefallenen dieses Krieges.

Das Gebäude wird als Gymnasium bis 1965 genutzt. Danach wird das neu erbaute St. Willibroard Gymnasium in der Denkmalstraße bezogen. Der parallel betriebene Schulzweig der Realschule bleibt noch bis 1969, dann wird im Talweg die neue Otto-Hahn-Realschule bezogen.
Das Gebäude in der Trierer Straße wurde noch bis Anfang der 1970 Jahre als Hauptschule genutzt, diese Nutzung endet dann Anfang der 1970er Jahre mit Umzug in die neu erbaute Edith-Stein Schule in der Nansenstraße.
Für kurze Zeit wird das Gebäude noch als Schule für „Kinder mit Lernbehinderung“ genutzt. Danach steht das große Gebäude für ca. 10 Jahre leer bevor es dann renoviert und seitdem als Kreisheimatmuseum genutzt wird. Des Weiteren ist im hinteren Gebäudetrakt eine Kindertagesstätte untergebracht.
Bis heute noch nennen die Bitburger das Gebäude das „Alte Gymnasium“
Tabellarische Darstellung der Geschichte der Landwirtschaftsschule von 1832 bis 1953
1832 - Gründung des „Vereins zur Beförderung der Landwirtschaft, des Gewerbefleißes, der
Intelligenz und Sittlichkeit in den Eifelgemeinden“
1834 – In Bitburg gründet sich die 6. Lokalabteilung dieses Vereins.
1840 – Landwirtschaftsverein für Rheinpreussen
1842 – Lokalabteilung XXIII für Bitburg
1869 – hat diese Abteilung mit ihren Tätigkeiten bereits eine beispielgebende Bedeutung über die
Kreisgrenzen hinaus.
1872 – Erste Diskussionen im Stadtrat Bitburgs zur Gründung einer eigenen Landwirtschaftsschule
1873 – Gründung und Schaffung der ersten Landwirtschaftsschule in Bitburg, vorläufig noch an
anderer Stelle.
1882 – Eröffnung des Neubaus der Landwirtschaftsschule in der Trierer Straße
1906 - Bau der bis heute noch stehenden Turnhalle
1927 – Ernennung zur höheren Landwirtschaftsschule und Ausbau zum Reform- und Realgymnasium.
1933 – Seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten kam es auch im Schulwesen zu Veränderungen.
Klassen und Abteilungen wurden gekürzt bzw. geschlossen.
1942 - wurde die Landwirtschaftsschule geschlossen.
1948 – Nach dem Krieg wurde der Betrieb der Landwirtschaftsschule wiederaufgenommen
1953 – Bezug und Inbetriebnahme einer neuen Landwirtschaftsschule in der Brodenheckstraße
© Archiv Egon CollingReform-Realgymnasium ca. 1936
