Arbeitskreis

Haus Kallmann

Judenhaus in der Kölner Straße

Kölnerstraße mit Haus Kallmann auf der linken Seite vor 1945

In der Zeit des Nationalsozialismus lebten in Bitburg mehrere jüdische Familien. Viele von ihnen wurden in den Konzentrationslagern ermordet, manche konnten rechtzeitig fliehen und nur wenige überlebten die Verfolgung.
Silve Israel Kallmann wurde im Jahre 1888 in Irrel geboren, seine Frau Sofie Sara geb. Jakob wurde 1890 in Spiesen im Saarland geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg zogen sie nach Bitburg, wo 1921 ihre Tochter Else Sara und 1923 ihr Sohn Kurt Israel geboren wurde. Die Familie bewohnte ein Haus in der Kölner Str. 4 in Bitburg, welches später den Namen „Judenhaus“ erhielt.
Während der Reichspogromnacht am 09. November 1938 drangen SA-Männer in das Haus der Familie ein. Sie zerschlugen Fenster und warfen Möbel und Bettzeug auf die Straße. Kurze Zeit später wurde Silve Kallmann gezwungen, sein Haus verkaufen Käufer war der Schreinermeister Wilhelm Jutz und seine Frau Margareta geb. Thielmann aus Bitburg. Der Kaufpreis des Hauses war zunächst 23.000,00 RM, dieser wurde jedoch später, am 08.10.1940, auf 20.608,00 RM herabgesetzt und 2.392,00 RM wurden an Wilhelm Jutz zurückgezahlt.
Silves Bruder Jakob lebte mit seiner Familie in Mötsch. Auf Anordnung musste die Familie 1939 ihren bisherigen Wohnort verlassen und nach Bitburg in das Haus des Bruders ziehen. Die Familie war zunehmend Repressionen ausgesetzt. Immer wieder mussten sie alltägliche und Nötige Gegenstände abgeben. Sie mussten beispielsweise alle zu entbehrenden Pelz- und Wollsachen bei der örtlichen Polizeistelle abgeben. (Quelle: Stadtarchiv Bitburg)
Ein Vollziehungsbeamter, der den Wert des hinterlassenen Hausrates schätzen sollte, gab folgendes Urteil ab: „Die vorhandene Wohnungseinrichtung des Juden Kallmann ist veralteter Hausrat und befindet sich in einem schlechten und ungepflegten Zustand.“ (Quelle: Stadtarchiv Bitburg)
Ein Schreiben der Gestapo-Dienstelle in Trier vom 14. April 1942 fordert die Familie Kallmann auf, am 23. April 1942, um 12.00 Uhr im Bischof-Korum-Haus in Trier zu erscheinen. Betreff des Schreibens war die „Evakuierung von Juden“. Die „Evakuierung“ ist in diesem Kontext ein beschönigender Begriff für die bevorstehende Deportation. Die Familie sollte von „Gendarmeriebeamten“ begleitet werden. Die Wohnung sollte verschlossen und der Wohnungsschlüssel dem Bitburger Finanzamt übergeben werden. In die Melderegister sollte lediglich „unbekannt verzogen“ beziehungsweise „ausgewandert“ eingetragen werden.
Die Familie wurde am 23. April 1942 deportiert. Silve, Sofie und Else wurden im Mai 1942 im Konzentrationslager Belzec in Polen ermordet. Kurt Kallmann wurde 1942 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.

Das Schicksal der Familie Kallmann steht stellvertretend für die systematische Ausgrenzung, Entrechtung, Enteignung und schließlich Ermordung jüdischer Familien. Es zeigt, wie staatliche Behörden, Polizei und Parteiorganisationen auf lokaler Ebene an der Verfolgung beteiligt waren. Begriffe wie „Evakuierung“ oder falsche Melderegistereinträge verschleierten bewusst den Charakter der Deportationen und sollten die Verbrechen verschweigen.