Die Gedenkstele „Der Riss“ am Marktplatz erinnert an die jüdischen Bürgerinnen und Bürger Bitburgs, die während der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden. Der Standort ist bewusst gewählt, denn in unmittelbarer Nähe lebten viele jüdische Familien, unweit der ehemaligen Synagoge.
Auf der Stele sind die Namen von den 22 jüdischen Opfern verzeichnet. Eine angedeutete Menora verweist auf ihren Glauben. Das zentrale Gestaltungselement ist der Riss, der in Richtung der ehemaligen Synagoge weist. Entlang dieses Bronzebandes sind die Stufen der Verfolgung aufgeführt: von „verachtet“ und „diffamiert“ über „ausgegrenzt“, „boykottiert“, „stigmatisiert“, „entrechtet“ und „beraubt“ bis hin zu „vertrieben“, „deportiert“ und „ermordet“. Der Riss steht symbolisch für eine nicht verheilte Wunde sowie für den tiefen Bruch, den die nationalsozialistische Gewalt in die Gesellschaft gerissen hat.
Seit dem 19. Jahrhundert ließen sich Jüdinnen und Juden in Bitburg nieder. Die Gemeinde wuchs zunächst langsam. Im Jahr 1848 lebten 17 jüdische Einwohner in der Stadt, zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren es bereits 72. Die jüdischen Bürgerinnen und Bürger waren in das städtische Leben integriert, sie waren Geschäftsleute, Nachbarn, Kollegen und Vereinsmitglieder. Mit dem Bau der Synagoge im Jahr 1878, einem eigenen Friedhof ab 1890 und einer Schule um 1900 entwickelte sich ein eigenständiges Gemeindeleben.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 begann jedoch die systematische Ausgrenzung. Viele verließen die Stadt, sodass 1935 nur noch etwa 40 jüdische Einwohner in Bitburg lebten. Ein Höhepunkt der Gewalt war die Pogromnacht vom 9. November 1938: Wohnungen wurden verwüstet, die Synagoge zerstört, Geschäfte angegriffen und Menschen verhaftet. Bis 1939 blieben nur noch wenige jüdische Familien in der Stadt. Sie wurden zur Umsiedlung gezwungen, zur Arbeit verpflichtet und schließlich deportiert. Im April 1942 wurden die letzten in Bitburg lebenden jüdischen Personen über Trier in Vernichtungslager verschleppt und ermordet. Insgesamt wurden 22 aus Bitburg stammende Jüdinnen und Juden Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung.
Die Gedenkstele erinnert an die Opfer und mahnt zugleich, wohin Ausgrenzung und Entrechtung führen können. Sie erinnert an die Verantwortung aller, solchen Entwicklungen auch in der Gegenwart entgegenzutreten.


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