Verlässt man die Bitburger Altstadt in Richtung Norden hinaus durch die Kölner Straße kommt man rechterhand zum Amtsgericht. Hier gegenüber befindet sich die Theobald-Simon- Straße die während der NS-Zeit Herbert-Norkus-Straße hieß. Im Jahre 1932 kam der damals 16-jährige Hitlerjunge Herbert Norkus in Berlin beim Verteilen von Flugblättern im Kampf mit Jung-Kommunisten ums Leben. Die nationalsozialistische Propaganda nutzte den Tod des Jungen für ihre Zwecke und stilisierte ihn zum Helden. Um dies öffentlich zu zeigen, wurden in ganz Deutschland, so auch in Bitburg, Plätze, Gebäude und Straßen nach ihm benannt. Diese Herbert-Norkus-Straße führte geradewegs zu dem in den Jahren 1937/38 neu erbauten HJ-Heim.
In diesem neuen HJ Heim wurden von da an die regelmäßigen und verpflichtenden Zusammenkünfte der Hitlerjugend sowie des Bundes deutscher Mädchen abgehalten. Bis 1938 waren sie noch auf eine Mitnutzung von Räumen im Jugendheim neben der Liebfrauenkirche angewiesen, ab jetzt war man unter sich und seinesgleichen.
Die HJ war die zentrale nationalsozialistische Jugendorganisation im „Dritten Reich“ die Kinder und Jugendliche nach NS-Vorstellungen ideologisch erzog. Sie wurden auf ihre Rollen in der „Volksgemeinschaft“ vorbereitet, die Jungen in der HJ als Arbeiter und Soldaten, die Mädchen im Bund deutscher Mädchen als Hausfrauen und Mütter. Die Erziehung mit militärischem Drill, die Vermittlung der Rassenideologie, das Führerprinzip und der bedingungslose Gehorsam führte zur totalen Indoktrination der Jugend um sie so auch vor anderen Einflüssen abzuschirmen. Die HJ formte sie zu loyalen Anhängern Hitlers und des NS Regimes, sie durchdrang alle Lebensbereiche von Freizeit und Bildung bis zur Ideologie und bereitete sie auf die vermeintlichen Pflichten im „Dritten Reich“ vor.
Gegen Ende des Krieges wurden die Mitglieder der männlichen HJ auch in den Kampftruppen eingesetzt.
Während des Krieges wurde das HJ Heim für zeitweilig zur Unterbringung von Arbeitern genutzt und diente später dann auch als Lazarett.
Als nach dem Krieg das zivile Leben wiederbeginnen konnte, wurde das Gebäude, weil nur wenig beschädigt, instandgesetzt als Schule genutzt. Ab den 1950er Jahren stieg der Bedarf an Schulen stark an, u.a. wegen des Baues des Flugplatzes, so dass die Volksschule Nord erneut umgebaut und erweitert wurde. Sie war lange Zeit die größte Volksschule in der Region. Bis heute wird das Gebäude mit Turnhalle als Grundschule Nord genutzt.
Erläuterung zum Bild des HJ Heimes in Bitburg
Eine zeitgenössiche Quelle, überliefert im Stadtarchiv Bitburg, beschrieb das HJ Heim, welches in Bitburg an dem Ort der heutigen Grundschule Nord in der Theobald-Simon Straße zu finden war, folgendermaßen:
"Das HJ Heim in Bitburg liegt als dominierendes Gebäude am Anfang einer Kleinsiedlung in der Nähe der Herbert-Norkus Straße (heute Theobald-Simon Straße), etwa 200 Meter westlich der Reichstraße Trier-Köln. Das Heim wurde in den Jahre 1937/38 erbaut. Das Kellermauerwerk besteht aus bodenständigen Kalkbruchsteinen des Bitburger Landes, das aufstehende Mauerwerk ist aus Ziegelsteinen errichtet. Der schöne und geräumige Bau ist eine Zierde der aufstrebenden Kreisstadt und zugleich ein stolzes Wahrzeichen der Hitlerjugend. Der Architekt ist Dipl. Ing. Maier, Landesjugendamt Düsseldorf. "
© StadtarchivHJ Heim in Bitburg


